Aus dem Büro auf den Asphalt

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Philipp Baar geht auf’s Ganze. 2018 gewann er als Mitarbeiter im Team von Vires Conferre den Berliner Firmenlauf – mit Abstand. Jetzt geht der gelernte Finanzexperte noch einen Schritt weiter: Er wagt den Sprung in den Profisport und tauscht Hemd und Krawatte zumindest für eine Weile gegen Funktionskleidung. Wir wünschen alles Gute und neue Bestzeiten!

Philipp Baars Karriere als Läufer startet bereits in seiner Heimatstadt Schwerin auf dem Sportgymnasium, auch wenn er dort zunächst noch eher im sportlichen Mittelmaß unterwegs ist. Das soll sich allerdings ändern. Im Alter von 19 Jahren zieht er mithilfe eines Sportstipendiums in die USA und beginnt dort in Texas ein Managementstudium. Zugleich wurde er Mitglied der universitären Leichtathletikmannschaft und absolviert dort kürzere Distanzen, aber auch bis zu Zehn-Kilometer-Läufe. Die Strukturen im Leistungssport in den USA empfindet er als sehr motivierend. „Durch das Team hatte ich immer Leute um mich, mit denen ich mich messen konnte. Dadurch wurde ich der Läufer, der ich heute bin. In Deutschland hätte ich zur selben Zeit sicher mit dem Leistungssport aufgehört.“

Erste Siege in Deutschland

Ende 2016 kehrt Philipp Baar mit einem MBA-Abschluss zurück nach Deutschland. Dort beginnt er eine Karriere als Banker in der Firmenkundenberatung, der Laufsport läuft zunächst als Hobby nebenher. Aber als ambitioniertes Hobby: Mit seinem neuen Trainer Jürgen „Steppke“ Stephan gewinnt er erst die Bronzemedaille bei den Deutschen Cross-Meisterschaften und wird – unerwartet auch für ihn selbst – deutscher Meister im Halbmarathon. Bei all diesen Erfolgen geht es ihm aber weniger um die eigentlichen Siege und Auszeichnen, sondern mehr darum, zu testen, was für ihn erreichbar ist. Auch Ernährung ist für ihn deshalb keine von Dogmen durchzogene Angelegenheit mit Do’s und Dont’s.

Man performt besser, wenn man glücklich ist,

glaubt Philipp und deshalb sind für ihn auch Bier, Süßigkeiten und der gelegentliche Döner kein Tabu.

Als die Europameisterschaften 2018 in Berlin anstehen, sieht es mit einer Teilnahme aber nicht gut aus, da die Qualifikationsnormen mit Philipps bisherigen Bestzeiten über 5000 und 10000 Meter noch weit entfernt liegen. Um eine Teilnahme doch zu ermöglichen, kommt sein Trainer auf die Idee, ihn zum Marathonläufer zu machen. Baar sagt zu mit der einfachen Maxime, entweder es klappt, oder nicht: „Hierzulande nehmen viele sich und ihren Sport viel zu ernst. Aber was wir hier machen, ob wir nun 2:16 oder 2:12 laufen, interessiert doch keinen. Ich nenne das die Theorie der Irrelevanz. Wir haben keinen Druck.“

Vom Marathonläufer zum Profisportler

Gesagt, getan, Ende 2017 beginnt das Training für das geplante Marathon-Debüt in Düsseldorf im April 2018, mit vielversprechenden Ergebnissen. Zur gleichen Zeit stellt er fest, dass die Arbeit bei der Bank nichts für ihn ist, zu viel „Papierkrieg“, sagt er. Gut für Vires Conferre, wo Philipp von nun das Team verstärkt. Auch wenn er beim Marathon in Düsseldorf mit einer Zeit von 2:16:17 Stunden die Qualifikationsmarke von 2:14 für die Teilnahme an der EM knapp verpasst, bietet das Leben ihm doch noch eine Möglichkeit, im Sommer für Deutschland zu laufen. Für den Europacup im Rahmen der EM starten Teams von sechs Läufern pro Land, die hierfür nötige Marke von 2:17 ist erreicht. Philipp, der erst auf der Reservebank auf Platz 7 sitzt, rückt nach, als ein Kollege mit Beschwerden ausfällt. Am Ende reicht es für das deutsche Team für den siebten Rang. Philipp läuft gegen die Berliner Sommerhitze, aber der stärkste Kollege muss aussteigen, sodass es am Ende nicht mehr für die Bronzemedaille reichte.

Eine kleine Enttäuschung, durchaus, aber zugleich auch eine Motivation, noch einen Schritt weiterzugehen und sich die 2:10-Marke vorzunehmen. Das allerdings, so sagt er, ist nur möglich, wenn man sich der Sache ganz und gar verschreibt. Dies legt ihm auch Leichtathletik-Trainer Dieter Hogen nahe, der in den 90er Jahren auch Uta Pippig an die Weltspitze führte. Deshalb entscheidet sich Philipp Baar, mit dem Beginn des Jahres 2019 als Profisportler einen neuen Abschnitt in seiner Karriere zu beginnen und sich in Vollzeit dem Laufsport zu widmen. Wir wünschen ihm dafür natürlich alles Gute und freuen uns, dass er unser Team beim Berliner Firmenlauf auch in diesem Jahr wieder unterstützen wird. Go Philipp!

(Der noch ausführlichere Artikel „Philipp will’s wissen“, der diesem Blogbeitrag als Grundlage diente, findet sich in der Januar-Ausgabe 2019 der Zeitschrift Runner’s World.)

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